Haltepunkt Steinerne Renne

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Andreas
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Haltepunkt Steinerne Renne

Beitrag von Andreas » 23.01.2013 21:27

Baubericht Gebäudebausatz Haltepunkt „Steinerne Renne“

Die Gebäude von Modellbau Kotsch gefallen mir allesamt außerordentlich gut. Sie sind Detailreich und vor allem sie sind Maßstäblich. Die Bausätze der bekannten Zubehörfirmen sind ja leider alle zu klein geraten. Vor allem bei den Bahnhofsgebäuden fällt das sofort krass auf wenn man einen Personenwagon oder eine Lok von LGB davorstellt. Die fertigen Gebäude von Kotsch sind leider in einer Preisklasse angesiedelt die allesamt Außerhalb meines Budgets sind.

Beim Stöbern in den Kleinanzeigen im Spaßbahnforum fand ich eines Tages das Angebot von des Kleinen HSB Bahnhof „Steinerne Renne“ Da ich eigentlich sehr gerne bastle wurde mein Sparschwein ausgeleert und den geforderten Preis noch einmal unterboten. Die positive Antwort kam schnell und ich bekam wenige Tage später ein Kleines Paket mit den Teilen. Sofort habe ich alles ausgepackt und kontrolliert. Der Bausatz beinhaltet das Bahnhofsgebäude die Wartehalle und den Kiosk mit allen Anbauteilen dazu Glasscheibchen für die Fenster und eine Aufbauanleitung.
Beim betrachten fällt mir sofort auf das die gegossenen Resinteile allesamt verbogen und auch (im Vergleich zu einem Industriebausatz) relativ dünnwandig sind. Mein Plan war ich wollte das Gebäude im Weihnachtsurlaub zusammenbauen, deshalb habe ich ungefähr 2 Wochen vor Weihnachten mit dem lackieren angefangen. Aber zunächst sind alle Teile zu entgraten manche Kanten habe ich auch ein wenig nachgefeilt. Am meisten habe ich mich vor dem Lackieren gefürchtet, die Anleitung empfiehlt Kunstharzsprühlacke und auch die RAL Nummern sind angegeben also habe ich mir einen Satz Spraydosen zugelegt. Man soll vor dem Zusammenbau alles fertig lackieren. Als erstes werden die Teile in Spüli gebadet um möglichst viel von dem Formtrennmittel zu lösen damit der Lack besser hält. Ich werde das Gebäude auf jeden Fall beleuchten, also habe ich zunächst alle Teile des Hauptgebäudes auf der Innenseite Schwarz lackiert damit nirgends das Licht durchschimmern kann.
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Dann habe ich den Tipps vom Hersteller folgend erst mal schwarze Wolken auf die Hauptfassadenteile gesprüht erst dann das Elfenbein aufgesprüht. Die Steinsockel werden erst mit einer grauen Grundfarbe gespritzt danach mit grünen Wolken verziert und dann mit braun übernebelt dazwischen muss man natürlich immer wieder was abkleben oder maskieren. Bei den Ziegelmauern wurden zunächst die Steinfugen Weiß gespitzt und nach dem Austrocknen die Steine Rot gewischt.
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Mit der Zeit wird man auch im Umgang mit den Farben hemmungsloser. Die Hinweise von H. Kotsch in der Lackieranleitung sind wirklich gut, mit meinem Spraydosen-Erstlingswerk bin ich ganz zufrieden, ich bin ja kein Lackiermeister.
Ungefähr 14 Tage habe ich in meiner Werkstatt rumgesprüht denn ich bin jedes mal nach 20 Min geflohen bevor ich ohnmächtig wurde. Das lackieren mit Spraydosen sollte man unbedingt im Freien machen.
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Endlich geht es los.
So gut die Tipps zu den Lackieren sind ist die Anleitung für die Montage eher spartanisch, eine Explosionszeichnung mit den Nummerierten Teilen gibt zwar Aufschluss was wohin soll, aber wie man die dünnen verbogenen Wandteile einigermaßen winkelig zusammenfügen soll erschließt sich mir nicht.
Zunächst werden die Fenster gleich komplett mit den Gläsern (Echtglasscheiben liegen bei)
Eingeklebt, das geht aber nicht wie bei einem Industriebausatz mit ein paar Tropfen Kunststoffkleber, sondern die leicht buckeligen Fensterrahmen werden auf das gekrümmte Wandteil so gut es geht ausgerichtet und mit einem Montagekleber (ähnlich wie Silikon) aus dem Baustoffhandel aufgeklebt. Ich wollte keine Zwischenwände einziehen deshalb habe ich über jedes Fenster gleich ein paar Stoffreste als Gardinen geklebt.

Das Hauptgebäude;
Nun sollen die ersten Gebäudeteile miteinander verklebt werden. Ich habe die Klebestellen mit Schmirgelleinen von den Farben befreit und habe versucht die Teile mit Sekundenkleber (laut Anleitung) zu verkleben. Das ist bei mir nichts geworden da hätte ich mehrere Hände benötigt. Die Teile sind so krumm das ich mir zunächst eine Klebehilfe (auf einer Grundplatte 2 Rechwinkelig verschraubte Bretter) gebastelt habe, so konnte ich ein Teil mit Zwingen und div. Unterlaghölz’chen Plan und winkelig fest spannen. An das Festgespannte Teil habe ich nun mit UHU Hart das nächste Teil angeklebt so konnte ich recht gute Ergebnisse erzielen. Von innen habe ich an die Stellen an denen ich eingespannten Zustand rangekommen bin auch sofort mit Montagekleber eine Naht gezogen.
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Nach dem Aushärten, (ich habe immer einen Tag gewartet), habe ich die komplette Ecke mit Montagekleber verkleistert. Nachdem die 4 Grundmauern miteinander verklebt waren habe ich einen Hilfsrahmen und einige Versteifungen aus Styrodur (Hartschaum) angefertigt und eingeklebt. Das ist mit einem Cuttermesser leicht anzufertigen und macht das Gebäude sehr verwindungssteif. Nun habe ich einige LED’s (gleich komplett mit Vor-Widerstand und Dioden versehen) im Gebäude eingeklebt und miteinander verlötet, so dass ich nur mit einem Lüsterklemmen-Anschluss das ganze Haus + die Wartehalle beleuchten kann.
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Jetzt gilt es das Windschiefe Hauptdach aufzukleben, dazu habe ich mit allerhand Brettchen und einem Stapel Bücher das Dach beschwert, so dass es (hoffentlich) überall ein wenig aufliegt. Danach kommt das Vordach dran, auch diese Teile sind leider heftig verzogen, so dass sich das Aufkleben äußerst schwierig gestaltet. Ich habe es mit Heißkleber versucht auch das wurde nix gescheites, die Teile passen leider sehr schlecht zueinander so dass sie immer irgendwo abstehen. Die Lackierung der Dächer ist ja relativ einfach also habe ich die Klebenähte der Dachecken so gut es eben geht verspachtelt und dann noch einmal alle Dächer nachlackiert. Gefallen tut mir das nicht sonderlich, aber ich bin auf keine andere Lösung gekommen!

Der Kiosk:
Die gleichen Schwierigkeiten hatte ich auch bei dem kleinen Kiosk, hier ist mir sogar ein Dachteil zerbrochen als ich es ein wenig gerader biegen wollte. Nach einigem Gefummel und fast einer Woche Bauzeit ist auch der Kiosk im Rohbau fertig.
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Ich habe die beiden Schaufensterläden in geschlossener Stellung eingeklebt denn für eine Kioskeinrichtung habe ich keine Nerven mehr. Außerdem sammelt sich in einem offenen Kiosk ohnehin nur Dreck und Ungeziefer an.

Die Wartehalle:
Fordert einem das aller letzte ab sie ist eine offene Veranda in Holzbauweise! Leider sind im Inneren die Balken und Bretter nicht nachgebildet sondern nur eine platte Wand. Vermutlich gilt hier auch die „ab ein einen Meter sieht das sowieso keiner mehr“ Theorie. Hier kann man keine großen Nähte mit Montagekleber fabrizieren. Deswegen klebe ich nun gleich alle Gebäudeteile auf eine Grundplatte auf (Wedi-Platte) das macht alles noch stabiler.
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Hier versuche ich zu zeigen das auch die Winkligkeit der Teile oft sehr zu wünschen übrig läst, das Bahnhofshauptgebäude ist einigermaßen Winkelig geworden wie man am angestellten Winkel sehen kann.
Aber das Braun gestrichene Teil der Wartehalle das nun Nahtlos daran anschließen soll ist gute 2mm „Außer Winkel“ unten kann man den Spalt sogar durch den Winkel erkennen!

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Nachdem nun alle Gebäude teile miteinander verklebt sind geht es an „Finischen“. Zunächst habe ich die schmalen unvermeidlichen Klebespalten der Gebäudeecken mit einem kleinen Pinsel so gut es geht mit der entsprechenden Farbe aufgefüllt und dadurch verschlossen. Einige Stellen habe ich mit Kunststoffspachtel verschlossen und verschliffen. Nun werden alle Fenster-Klappläden aufgeklebt. Die sind auch alle nicht plan sonder eher gewölbt also habe ich das mit Heißkleber gemacht und eine Minute festgedrückt. Jetzt müssen die Dachrinnen auf Länge gesägt und die Enden verschlossen werden. Danach die Fallrohre angepasst werden. Natürlich muss man sie vor dem ankleben noch lackieren. Das schreibt sich ja ganz locker! Aber versucht mal eine Bananenförmige Dachrinne die beim anhusten schon zerbricht (Die Rinne ist so dünn das sie fast durchsichtig ist) mit Montage Kleber an ein Dach mittels einer Kehlnaht anzukleben! Das ist nur mit sehr viel Verdruss (Verdammt noch mal wie und wo soll die Blöde Rinne denn überhaupt halten?) zu machen.
Ich kann hier gar nicht sagen wie oft ich das ganze Modell am liebsten aus dem Fenster geworfen hätte – ich musste mich die letzten 14 Bau-Tage regelrecht zwingen das machst du jetzt fertig – du hast so viel Geld für das Zeug bezahlt, der Bahnhof muss in der Neuen Frühlings-Saison aufgestellt werden Punkt! Nach dem Heften der Rinne mit meinem Montage Kleber der mir inzwischen als Allheil + Füllstoff dient, habe ich den ganzen Bahnhof aufs Dach gelegt.
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Nun wurden die Rinnen von unten mit dem Kleber regelrecht verspachtelt und dann die Wunden ein wenig Farblich nachbehandelt. Zum Schluss müssen noch die Blumenkästen, Trittstufen und die Zierspitzen angeklebt werden. Das habe ich bis auf die Blumenkästen getan. Mal sehen ob ich da irgendwas Wetterfestes zum „bepflanzen“ finde!
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Tja und dann ist er heute endlich wirklich fertig der 120cm lange Haltepunkt. Ich finde er ist wirklich sehr schön geworden - Wenn man nicht näher als einen Halben Meter hingeht! Hier fallen mir auch wieder die Bilder auf der HP des Herstellers ein. Ich kenne ja nun die Kritischen Stellen von dem Bauwerk und diese sind auf den Bildern komischerweise kaum zu erkennen oder nicht ausgeleuchtet…… Es war wirklich unglaublich viel zum Teil sehr Nervige Bastelarbeit.
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In meiner Schlussbetrachtung fasse ich zusammen:
Eigentlich bastele ich sehr gerne, mein selber gebauter T1 oder auch die V29 waren auch schwierige Projekte, im Vergleich zu dem Bahnhof aber ein richtiges Vergnügen! Dieser „Bausatz“ hat mir deutlich mehr Ärger als Spaß bereitet! Der Hinweis auf der Hersteller HP trifft zu, ich zitiere mal „Erfahrene Modellbauer können auch mit einem entsprechend erhältlichen Satz Rohteilen bei eigener Farbgebung und Montage zu wunderschönen Gebäuden kommen.“ Ich bin zu der Erkenntnis gekommen das ich ganz offensichtlich kein Erfahrener Modellbauer bin! Mit einplanen sollte man auch, dass die Farben, Kleber sowie div. Hilfsmittel noch einmal mit fast 100 Euro in der Bastelkasse zu Buche schlagen! Mir ist nun auch vollkommen klar warum bei diesem Bausatz das Fertige Modell stolze 320 Euro mehr als ein Bausatz kostet! Das ist, wenn ich meine Bauzeit und den Aufwand betrachte gelinde gesagt günstig und absolut gerechtfertigt, es erklärt auch die verhältnismäßig langen Lieferzeiten eines fertigen Modells! Ich träume ja schon lange von dem Bahnhof Eisfelder Talmühle wenn ich den wirklich einmal in Angriff nehme dann wird das ein Totaler Selbstbau werden (bis auf die Fenster – die liegen schon einige Zeit ebenfalls vom gleichen Hersteller in der Bastelschublade bereit)

Ach ja, und wenn ich wieder mal beim Daniel bin,
dann werde ich mal bei ein paar Sachen ein wenig genauer hinschauen!
Gruß Andy :D

Stell Dir vor es geht und keiner kriegt´s hin.

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Uwe
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Re: Haltepunkt Steinerne Renne

Beitrag von Uwe » 23.01.2013 21:59

Hallo Andy,

der Haltepunkt sieht wirklich Toll aus :ch038 :ch151

Macht du mit auch einen :?: :ch107
Viele Grüße
Uwe (Frankenwaldbahner)

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Harald
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Re: Haltepunkt Steinerne Renne

Beitrag von Harald » 24.01.2013 07:47

Hallo Andy,

vielen Dank für den ausführlichen Bericht.
Ist trotzdem schön geworden Dein Haltepunkt!

Meint
Harald

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Steffen
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Re: Haltepunkt Steinerne Renne

Beitrag von Steffen » 24.01.2013 09:17

Hallo Andy,

wenn ich das so sehe, würde ich dich schon in der Rubrik "erfahrener Modellbauer" einstufen!
Sehr schöner Haltepunkt und ein sehr lebendiger Bericht.
Danke!
Mit freundlichen Grüßen

Steffen

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Rolf
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Re: Haltepunkt Steinerne Renne

Beitrag von Rolf » 24.01.2013 18:20

Mensch Andreas,
toller Bericht mit vielen Bildern, Danke.
Trotz aller Probleme, das Ergebnis hast Du gut hingekriegt.
Von den Pola Häuschen bin ich auch geheilt. Wenn ich meinen Schönweiler mittlerweile so anschaue wie
er sích mehr oder weniger selber auflöst..
Da ist das Trafohäuschen a la Fritz schon wesentlich widerstandsfähiger.
In dieser Machart soll mein Bahnhof auch entstehen, widerstandsähig und schwer.
Gruß
Rolf

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