Werkstattvergleich

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Daniel
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Werkstattvergleich

Beitrag von Daniel » 02.12.2018 09:35

Liebe Stammtischler,

im August diesen Jahres besuchte eine Abordnung unseres Stammtisches eine Eisenbahnwerkstätte im rumänischen Brad. In dieser Werkstätte werden unter Führung eines Österreichers Schmalspurfahrzeuge für ganz Europa wieder aufgearbeitet. Wir kamen an einem arbeitsfreien Wochenende vorbei. Die Werkstatt war verweist. Überall fanden sich Spuren, dass hier kürzlich an allen Stellen gearbeitet wurde. Die Handwerker unter uns hatten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen Wenn sie damals in ihrer Lehre die Werkstätte so verlassen hätten, dann hätte ihnen ihr Meister ordentlich….
Für mich ohne Metallausbildung war das alles nicht so recht vergleichbar. Ich kannte lediglich das Industriemuseum in Lauf als deutschen Vergleich. Und das war ja ein Museum.
Am Wochenende hatte ich die Gelegenheit, die Werkstatt der HSB zu besichtigen. Gleichartige Bedingungen. Schmalspurfahrzeuge werden restauriert. Es war Freitag Nachmittag. Die Halle verwaist. Erst am Montag würde weitergearbeitet. Als ich diese Werkstatt sah, kamen mir sofort die Erzählungen der Handwerksstammtischler in den Sinn, wie eine deutsche Werkstatt auszusehen hatte.

Bildervergleich, jeweils zuerst Rumänien, dann HSB, Wernigerode:

Die Unterlagen.
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Arbeitsplatz
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Werkstatt
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Warten auf den nächsten Arbeitstag
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Es war äußerst lehrreich, zumindest für mich den Vergleich zu sehen. In Wernigerode führte uns der Lehrmeister durch "seine" Werkstatt. Unglaublich viele Details hinter den Kulissen, vieles würde man so niemals in einem Hochglanz-Werbeprospekt finden.
Der Personalmangel an Heizern sei beseitigt. Das Personal verdiene nun auch so viel wie bei der DB. Der zweite Dampfzug im Selketal werde wohl wieder kommen. Meiningen hatte die Preise für eine Dampflokwartung von 250.000 auf jetzt 1.000.000 Mio erhöht. Die Qualität in Meiningen sei aber immer noch die beste. Man habe mehrere Werkstätten in Deutschland und europ. Ausland (u.a. Polen) ausprobiert. Da passte aber das Produkt, das zurückkam, nicht zu den Erwartungen. Mit der neuen gläsernen Werkstatt möchte man sich unabhängig vom Meinigen machen. Die neue Werkstatt wird kommen. Es gebe aber noch erheblich Knatsch um Geld und Zuschüsse. Meinigen=Thüringen, Nordhausen (in der HSB)= Thüringen, sehen es gar nicht gerne, wenn Auftragsvolumen nach Wernigerode= Sachsen-Anhalt verlagert wird.
Man brauche etwa 7 Dampfloks im Sommerumlauf, 5 im Winterumlauf. 25 sind da. Da kann man noch sehr lange ausschlachten und austauschen. Material für die nächsten Jahrzehnte ist da. Harzkamele sind zuverlässig und beliebt. Die Mitarbeiter hätten sie schon längst gerne grün mit Tannenzweigen gestrichen. Das will der Geschäftsführer nicht. Soll alles so bleiben wie in der DR-Zeit.
Neue Toiletten in den Wagen nur mit geschlossenem System. Also entweder keine Toiletten oder die "Flugzeug-Toiletten". Die alten Plumpsklos haben Bestandsschutz. Neue Wagen gibt es aber nur noch ohne Toiletten. Und die Himbeere wird nie mehr wieder fahren. Sieht zwar schick aus, alles mit Carbon in der Außenhülle. Aber viel zu teuer für eine Reparatur.
Viele Grüße

Daniel

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